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Ansichtssachen

Sokrates im Tempel

Sag, Rabbi, bin ich gut? – Das nicht, mein Sohn.
So bin ich schlecht? – Das immer, manchmal wenig, niemals nicht, da niemals nie.
Wie kann ich’s ändern? – Nie, durch harte Arbeit trotzdem müh‘n Dich ab.
AnsichtssachenWas soll die Müh’, wenn sie nichts fruchtet? – Weil sonst schlecht Du wärest, Sohn, weil sonst Du sicher schlecht.
So wär ich also trotzdem gut? – Das war die falsche Frage, quer gefragt, und auch, solch Frage, stell sie nicht als Sohn.
Wie frag ich richtig? – Frage Dich.
Was soll ich fragen, was, und wie auch? – Alles mußt Du fragen Dich, als frügtest mich.
Und dann? – Mußt jede Antwort Du, so aufgefunden, hart ertragen, Sohn Dir selbst.
Und wenn ich’s nicht ertrage? – Frag mich nicht, hier bin ich Schüler selbst.
Warum heißt Du dann Rabbi? – Weil ich solches weiß.
Was weißt Du wirklich? – Wirklich nichts.
Was soll ich tun? – Was alle sollten tun, dies Nichts zu glauben fest.
Warum? – Du fragst schon gut.
Wieso? – Du machst den Rabbi schlecht.
Wieso denn das? – Ich weiß zu wenig, nichts ist herzlich wenig, nichts bleibt nichts.
Und darum? – Zünde Kerzen an, als ob was sei, und glaub nicht dran, mißtrau, zumindest, fest.
Ansichtssachendann? – Zünd keine Tempel an.
Weil dann ich wäre
schlecht? – Zumindest wär’s nicht gut.
Nicht gut wär ich, wär es? – Da haben wir die Freud: Gewaltsam ist es immer schlecht.
Na gut, dann soll man alles leiden, bloß erleiden? – Bloß nicht, nicht mal mich.
Heißt das, ein Vatermord? – Nur zu.
Sollt’ das ich tun? – Es wäre gut, doch schlecht.
Ich laß Dich leben? – Schlecht, doch eben gut.
Ich kenn’s nicht aus? – Gemeinsam gehen wir nach Haus.

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