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Neue noch unveröffentlichte Gedichte

Im Tal der Könige

für Margherita

Wenn scheu nach langem Schlaf
die Seele über Hügel steigt wie
über Theben je der Sonnenball,
unwandelbar Dein Angesicht im
Linnen prangt, und unberührt,
zerkratzt nicht von Dämonen,
glüht, mich zu empfangen weit wie
Erde je am Stein seit Edens Schein,
was, Gott, mußt jäh aus uns erstehn,
Gefährte stets, der mitreist unter
Nacht, der einst, in einem erst-
bestirnten Augenblick erst rief die
Zeit, dann modellierte sanft den
Raum, ihn in der Schale haltend
sacht der Hände, Platz zu schaffen
für ein Angesicht, und Sonnen
küßte wach und Monde, mehr als
je ein Traum erdacht an Königs
Grab, im Gang zur unversehrten
Kammer, Schacht zur neuen Welt.
Und meine Antwort sei Dein An-
gesicht, das Deine wie es sein.
Gebärend Licht schon, zaubert’s
Rätsels Spruch zu Rites Glyphe, daß
ein Ausgang sei in Dein Gesicht.

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Gedichte aus »Vanitas«

Vanitas

Geschrieben die längeren Zeilen des Lebens,
die kürzeren mögen noch kommen. Gestemmt
auf die Sandbank des eigenen Unrechts, im
Versfuß besingen des Vogelflugs Rechte auf
Erden, erlesene Zeichen verkünden, wie aus-
schwingt in Windlust von Flügeln die warnende
Schrift, tief beschützen den Wurm, wenn statt
Hunger treibt Mordlust die Klauen, aus Vliesen
von Schafen ergraben Dein warmtiefes Herz.
Mit Dir sinken, zurückgesenkt fallen zum Grund,
in den Schlaf aller Dinge, schon manchmal es
hören, ihr ruhiges Atmen, laut lauschen, wenn
mitten im Leben vor Träumen sich drehen die
Toten. Ihn wälzen, hinauf und zur Seite, den Stein.
Deinen Blicken erglauben, daß irgendwas sei.
Als ob leer keine Zeile.

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Gedichte aus »Das Göttliche Spiel«

Te Deum

Gott, Du bist,
größer als alles,
die Liebe, gebierst
sie uns ein, die wir,
wiedergeboren,
einander erküssen
in Dir. Machst Dich
klein, bis, umfangend
das Liebste, wir
staunend erfahren, wie
groß und unendlich,
entlassen in Dich,
das sich eben noch  
sperrende Ich.
Wie es wahr wird,
erschaffend sich
Auge in Auge in Dir,
der sich groß macht,
mit wärmender
Stärke verlängernd
mir Arme und Hände,
sich hinstreckt, hinein
in die Finger, bis
hinreicht, geliehen,
mein Leib, zu umfangen
das Liebste, in dem
Du Dich zeigst.
Du bist größer als
alles, gewaltig im
kleinsten der Maße,
dem zierlichen Leib,
ihrem einen, in dem
Du Dich hingibst,
in Liebe, für mich.
In der Liebe vereint,
will ich preisen, in
Dir nur Dein Werk.

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Gedichte aus »Mensch Ärgernis«

Die Gärten der Folter

120 Takte Sodom

Was stöhnt Ihr so lind Euren Duftschrei hinauf in den Abend,
der Watte hinein, in den Dämmer den Nachlaß der Kelche, Ihr
Gärten der Folter! Was strömt hier zusammen, des Rosenstocks
Ächzen, der Flußkähne Köhlergedächtnis, des Gliederstumpfs
süßliches Erdenversteck! Hat schon Flußlauf vergessen die tigri-
schen Triebe, selbst Nachtigall pfeift schon, den Nachhall der
Schritte verscheuchend, im Trippeln verbotene Lieder – kurz
nickend, ein Pfau, war’s ein Kranich, der schrie? Und inmitten
spielt immer das göttliche Kind. Doch von tagschweren Wolken,
verseucht von der Schwüle des Mittags, wenn alles nur lastet,
eins länger zieht Nägel aus Morschem, verrostet die Harfe,
perlt ferne noch Tränen von Eseln, der Hühner Geschrei ob ver-
stopftem Gedärm. Doch am Abend kommt milde der Schleifer,
stimmt an ihre Saiten zu Grillensangs letzter Minute. Drein
platzen nur Frösche und springen. Glyzinien hängen wie Brüste,
beschwert. Auf die Rollige springt mit dem Stummel der Kater.
Die taumlige Taube, tumb humpelt Dreivierteltaktshund. Denn
vor Estragons Schweigen schnappt Fisch. Baut sich Beine vom
Bisam zum Kleeblatt, fügt Laich zu der Kröte, den Räudigen
bläst ihre Kehlen, zum Heulen verjubelt den teuren Jasmin, und
mit fehlender Schwurhand, das göttliche Kind. Denn geöffnet
des Nachts breitet Totenkopf aus seine Schwingen zum schwan-
kenden Markt, wenn ganz offen Euch, Gärten, die Poren hinab
bis aufs Mark. Dann erst foltert Ihr tief alle Sinne.
 

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Gedichte aus »Arena«

19. Tag

 

42 Tage Trauer Naherwartung

Ans Ende einer Liebe gehn,
hinaus auf einen Gottesacker,
Furchen kreuzend, furchtsam
streifen. Tief in Urnen schrein,
drin, ausgeliebt, der Seele
Gräberfeld und Schatz. Zur
Geisterstund drauf Flackertanz
und Zornesglühn. Sibylla rufen,
‚Solvet saeclum’, murmelt’s mottig,
‚in favilla’ schüppend Rauhreif,
stäubt sich, schleicht im Aschentritt
auf Schutt.


solvet saeclum in favilla… - (lat.), aus der ‚Dies irae’-Sequenz: Löst in glühend Asche das Jahrhundert.


Naherwartung   

Ein Tag, schon am Morgen ergraut.
Lockt kein Himmel ihn hoch.
Schleppen schwer übern Boden sich
Wolken. Drin mancher, der droht
mit den Träumen der Nacht.
Vor dem Unterweltstor eines
Lächelns Gesicht. Es verjüngt Dir
die Falten der Welt. Wie ein Falter
so nah. Gottes Wunder, und taumelt
wie Du.

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Gedichte aus »Sternenfinsternis«

Proklamation

Ich schreibe
ganz in Euren Rauch gehüllt,
den Mund voll
totgemachten Fleisches Wehgeschmack
und Duft von fehlvergoßnem Blut,
mein Herz ein Essigschwamm,
mein Leib als Fraß,
die Seele ewig aussortiert,
das Tier mit Sonderzeitgeruch:
So lebe ich und lebe mich,
für Euch und heute eingesetzt
durch meine Schrift als:
Ich: Der toten Juden König,
klagend ein ihr totes Recht
an meinem Hof,
an meinem armen Tisch,
des Nachts an meiner Lagerstatt:
Und vor der Welt.

Ein guter König liebt sein Volk.
Ein guter König sucht sein totes Lamm.
Ein guter König kennt die Welt,
aus der sein Reich,
erfüllt die Schrift:
Und schreibt sich hin.

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