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Kein Ende in Sicht

im Lockdown

Inmitten der Sintflut des Leids: eine Arche, ein ruhendes Haus
unter gleitenden Wolken, verankert inmitten von Blumen und
knospenden Düften, sich klammernd ins Gras. Eine seltsame
Arche: Sie dümpelt, liegt fest auf den Metern des heimischen
Meers, seinen grünlichen Wogen, doch schau ich hinauf in den
Himmel, dann gleitet sie hin über Wolken und endloses Blau.
Und kein Zauberer heischt sie, den Haken im Erdreich zu lösen,
als käme ein Hügel, am Hang einer Steigung ein Araratsplatz.
Alles eben, man kann sich hier ducken und denken, es zöge die
Wand des Tsunamis woanders vorbei, brächen Tote nicht ein,
wo die Vögel sich paarend besingen, bevölkernd die Reling,
das schirmende Dach. Sind sie Philemon, Baucis, die beiden
Bewohner, statt Noah und Haikal, sind alternd ein Paar, das im
Geiste bloß Gäste bewirtet, die göttlichen Freunde, wo ringsum
die Erde versinkt? Und was könnten sie tun, die einst rauschen
als Eiche und Linde im Takt, wenn zwar Tauben sanft gurren,
der Ölzweig doch fehlt? Denn sie lüden ja ein auf die Arche samt
Kegel und Kind, doch ein jeder nimmt einzig sich selber jetzt mit:
und mit Glück, wurde zeitig gezimmert und wehrte kein Sturm,
jene andre umschlungene Hand. Zwitschern Vögel im Garten,
dann liegt sie in Eden, die Arche – verstummt wie am Grab ihr
Gesang, will man gleich die Gefiederten senden, ob einer brächt‘
Strophen wie Briefe von fern.

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