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Stilleben

Timbuktu, Mali, 2013

Fort, die Miliz einfach fort.
Wie die Horden des Sandsturms
vorbei. Nur noch Blech auf den
Straßen, ein Laster, defekt.
Amputiert aller Sinn. Ein Kadaver,
vier Pfoten, da läuft keiner hin.
In den Lefzen das Leck. Quellen
Seelen, Gedärm vor der Scham.
In die Bisse gestopft blauer Stoff.
Aller Freude fehlt Zunge und Grund.
Minarette mit Ästen, dran hängt man
in Windeln den lehmschweren Traum.
Wie ein Reifen rollt weiter der Tag
in der einzigen Hand eines Diebs.
Wer malt seitenlang Asche ins Buch,
hat die feurigen Zeilen im Kopf?
Schreibt ein Weiser mit Kot
kalligraphisch sein letztes Gebet.
Daß Gebrumm ihn nicht stört,
sind selbst Fliegen verstummt –
pantomimisch ihr Tanz und obszön.
Reißt ein andrer sich Haare vom Kopf
für das endlose Kratzen in Sand.
Im Gedünst für die Schwärenden
fünf Mal ein Ruf. Doch es folgt nur
zerschossen ein Hund.

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